Programm
Hier finden Sie das Programm der 10. Oltner Verschuldungstage vom 12. und 13. November 2026.
Donnerstag, 12. November 2026
| 8.30 | Anmeldung |
| 9.15 | Begrüssung Jürg Gschwend, Budget- und Schuldenberatung Plusminus, Basel Felix Wettstein, Parlamentarier, Solothurn |
| 9.45 | Plenumsreferat 1: Was wissen wir in der Schweiz zu «Verschuldung und Gesundheit» Prof. Dr. Caroline Henchoz, HETSL | HES-SO, Lausanne |
| 10.30 | Pause, Hotspots |
| 11.00 | Plenumsreferat 2: Das Dreiparteienverhältnis der Krankheit: Patient – Leistungserbringer – Versicherer Michel Meier, Rechtsanwalt, Direktor Ärztekasse Genossenschaft Schweiz, Urdorf |
| 11.45 | Plenumsreferat 3: Chronische Erkrankungen und finanzielle Sorgen Dr. Bettina Schwind & Prof. Dr. Karin Ribi, Careum Hochschule Gesundheit, Zürich |
| 12.30 | Pause, Hotspots |
| 13.45 | Panels Panel 1: Health Literacy und Financial Literacy im Dialog: Schnittstellen, Synergien und Potenziale Anja Hollenstein, Careum Zentrum für Gesundheitskompetenz, Zürich Caro Berndt, institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff), Hamburg Moderation: Prof. Dr. Matthias D. Witte, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz Panel 2: Junge Menschen und Sportwetten in der Schweiz: Exposition, Praktiken und finanzielle Risiken (Sprache: Französisch) Luca Notari, Lic. Phil., Studienleiter, Sucht Schweiz NN Moderation: NN, Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldenberatung, Berlin Panel 3: Umgang mit chronischem Stress durch Verschuldung – eine psychologische Perspektive Prof. Dr. Michaela Knecht, Hochschule für angewandte Psychologie Lea Waldner, Hochschule für angewandte Psychologie FHNW, Olten Moderation: NN Panel 4: Verschuldung im Verlauf von Krebserkrankungen Therese Straubhaar, Krebsliga Schweiz, Bern Prof. Dr. Eva Münster, Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung, Universität Witten. Moderation: Simon Süsstrunk, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, Olten Panel 5: Wenn Schulden krank machen: Verschiedene Sichtweisen auf Schulden und Gesundheit: Empirische Befunde, rechtliche Rahmenbedingungen und kantonale Strategien (Sprache: Französisch) Camille Zimmermann, Artias, Yverdon Tristan Coste, HETSL, Lausanne Moderation: Pamina Sulzberger, Zürich Panel 6: Das gute Risiko? Welche Schulden wollen wir (verhindern)? Raoul Egeli, Präsident Schweizerischer Verband Creditreform Dr. Christoph Mattes, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, Olten Moderation: Dr. Frank Graef, Hochschule für Wirtschaft FHNW, Basel Panel 7: Stresssensible Ansätze im Umgang mit Schulden: Praktische und politische Erfahrungen aus den Niederlanden (Sprache: Englisch) Prof. Dr. Tamara Madern, HU University of Applied Sciences, Uetrecht Dr. Susanne Tonnen, HU University of Applied Sciences, Uetrecht Moderation: Dr. Marcel Krebs, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Olten Panel 8: Zwischen Schulden und Gesundheit: Beratung als Chance für Gesundheitsförderung Andrea Scheidegger, Kanton Solothurn Barbara Zobrist, Budget- und Schuldenberatung Aargau-Solothurn, Aarau Moderation: NN |
| 15.15 | Pause, Hotspots |
| 15.40 | Plenumsreferat 4: Geld ist nicht alles – aber ohne Geld ist alles Nichts? Warum Financial Well-Being entscheidend ist Selina Lehner, ZHAW School of Management and Law, Winterthur |
| 16.10 | Plenumsreferat 5: Vom Verbot zur Normalität: Die ethische Ambivalenz der Verschuldung Dr. Dana Sindermann, Paulus Akademie, Zürich |
| 16.40 | Podium: Ist gesunde Verschuldung möglich? Herausforderungen für Gläubiger, Soziale Arbeit und Sozialpolitik Dunja Vetter, Caritas beider Basel: Sozialdienst in Arztpraxen Raoul Egeli, Präsident Schweizerischer Verband Creditreform, St. Gallen Raphaël Mahaim, Nationalrat und Präsident Schuldenberatung Schweiz, Lussy-sur-Morges NN Moderation: Sybille Rother, Surprise, Basel |
| 17.30 | Apéro |
Freitag, 13. November 2026
| 8.30 | Anmeldung |
| 9.15 | Begrüssung Clemens Mitterlehner, ASB-Schuldenberatung Österreich, Linz |
| 9.30 | Plenumsreferat 6: Von der Theorie zur Praxis – Gesundheit in der Schuldenprävention verankern Gregor Mägerle, Schuldenprävention Stadt Zürich Simone Reiser, Schuldenprävention Stadt Zürich |
| 10.00 | Plenumsreferat 7: Alter und Schulden Prof. Dr. Carlo Knöpfel, Büro für Altersfragen, Basel |
| 10.30 | Pause |
| 11.00 | Workshops W1: Finanzielle Bildung in vulnerablen Lebenslagen Clara Baumann, institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff), Hamburg Dr. Sally Peters, institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff), Hamburg W2: Das Finanzwissen von Fachkräften der Sozialen Arbeit. Cristian Cardoso, Budget und Schuldenberatung Plusminus, Basel W3: Schuldenprävention und Gesundheitsförderung im WAH Unterricht Prof. Dr. Isabel Frese, Pädagogische Hochschule FHNW, Muttenz W4: Schutz vulnerabler Schuldnerinnen und Schuldner im Forderungsinkasso (Sprache: Deutsch und Französisch) Jason Glanzmann, Inkasso Suisse, Bern Mathieu Schnegg, Intrum AG, Schwerzenbach W5: Geldspiel als blinder Fleck: Thema?!-Praxen?!-Herausforderungen?! ausserhalb der Suchthilfe Matthias Weber, Programmleitung CH-Ost+FL «Spielen ohne Sucht», Departement Soziale Arbeit, Ost – Ostschweizer Fachhochschule, St. Gallen W6: Financial Well-Being in der Praxis: Was wirkt – und warum? Selina Lehner, ZHAW School of Management and Law, Winterthur W7: Verschuldung von Familien: Auswirkungen und Handlungsspielräume Stefanie Wyss, Budget- und Schuldenberatung Aargau-Solothurn, Aarau W8: Geld und Gesundheit zusammendenken: Best Practice aus Prävention und Beratung Nicole Gysin, Schuldenprävention Stadt Zürich W9: Die Begleitung von verschuldeten Menschen mit somatische und psychiatrische Erkrankungen Julia Kern, UPK Psychoseambulanz, Basel Michael Lang, ALS Schweiz, Olten |
| 13.00 | Pause |
| 14.00 | Plenumsreferat 8: Die Auswirkungen von Entschuldungen und die Gesundheit Prof. Dr. José V. Ramirez, HES-SO, Genf Johanna Velletri, HES-SO, Genf |
| 14.30 | Plenumsreferat 9: Macht ein Restschuldbefreiungsverfahren gesund? Prof. Dr. Patricia Pfeil, Hochschule Kempten Prof. Dr. Marion Müller, Süddeutsches Institut für empirische Sozialforschung, FOM Hochschule, München |
| 15.00 | Fachgespräch: SchKG-Revision – was erwartet uns nun? Pascal Pfister, Dachverband Schuldenberatung Schweiz, Basel Ines Moers, Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldenberatung, Berlin Prof. Dr. Jur. Rodriguez Rodrigo, Universität Luzern Betroffene Person oder Frau Maire, Bundesamt für Justiz Moderation: Dr. Christoph Mattes, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, Olten |
| 16.00 | Abschied, Dank und Tagungsende |
Panels
Anja Hollenstein
Caro Berndt
Wie hängen finanzielle Belastung und gesundheitliches Wohlbefinden zusammen und welche Rolle spielen Gesundheits- und Finanzkompetenz dabei? Dieses Panel widmet sich den Schnittstellen von finanzieller Bildung, Gesundheitskompetenz und sozialer Teilhabe. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Angebote in den Bereichen Schuldenprävention, Versorgung, Krankheitsprävention, Gesundheitsförderung und psychosozialer Beratung gestaltet werden können, um armutsbedingte Gesundheitsrisiken zu reduzieren und Betroffene langfristig zu empowern, sodass sie informierte Entscheidungen für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden treffen können.
Das Panel verbindet theoretische Impulse mit praxisnahen Beispielen aus den Bereichen Forschung, Soziale Arbeit und Public Health. Es wird diskutiert, wie Finanz- und Gesundheitskompetenz dabei helfen können, Stress und weitere negative Folgen für die physische und psychische Gesundheit im Kontext von Verschuldung zu mindern, Ressourcen und Resilienz der Betroffenen zu stärken und soziale Ungleichheit zu verringern. Dabei werden Ansätze aus der Sozialpädagogik, aus Public Health und der Finanzbildung zusammengeführt, um innovative Handlungsperspektiven für Wissenschaft und Praxis zu entwickeln.
Luca Notari, Sucht Schweiz
Junge Menschen sind heute stark der Werbung für Glücksspiele ausgesetzt – ein Phänomen, das durch soziale Netzwerke und den Einfluss von Gleichaltrigen noch verstärkt wird. Daten aus Studien in der Schweiz bestätigen dies: Im Vergleich zu anderen Altersgruppen weisen junge Menschen häufiger Probleme im Zusammenhang mit Glücksspielen auf. Um diese Realität besser zu verstehen, stützt sich dieses Panel auf die Daten einer neuen Schweizer Studie zu den Spielpraktiken von 15- bis 29-Jährigen (Überzeugungen, Häufigkeiten, eingesetzte Beträge) und deren direkten Folgen. Die Ergebnisse werden aus verschiedenen Perspektiven analysiert, unter anderem durch die kritische Einordnung einer Fachperson aus der Praxis. Mit besonderem Fokus auf die Risiken einer frühen Verschuldung diskutieren wir anschliessend die Bedürfnisse des Netzwerks sowie mögliche zukünftige Initiativen.
Die Studie wurde im Auftrag des interkantonalen Programms Spielen ohne Sucht durchgeführt.
Prof. Dr. Michaela Knecht
Lea Waldner
Finanzielle Verschuldung ist nicht nur ein ökonomisches, sondern in hohem Masse auch ein psychologisches Phänomen. Anhaltender finanzieller Druck wirkt als chronischer Stressor und beeinflusst Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen nachhaltig. Dadurch ergeben sich weitreichende Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit sowie auf das subjektive Wohlbefinden.
Der Workshop beleuchtet Stress aus psychologischer Perspektive und zeigt anhand wissenschaftlich fundierter Stress- und Bewältigungsmodelle auf, wie stressbedingte Belastungen entstehen und welche Rolle individuelle Bewertungen und Bewältigungsstrategien dabei spielen. Der Workshop macht nachvollziehbar, wie chronischer finanzieller Stress über anhaltende Aktivierung und reduzierte Regeneration die psychische und körperliche Gesundheit beeinträchtigen kann, insbesondere durch Schlafprobleme, Grübelprozesse, vermeidendes Bewältigungsverhalten, Rückzug, sowie Konflikten (auch) im Privatleben.
Therese Straubhaar
Prof. Dr. Eva Münster
Die finanzielle Toxizität – die Folgen einer Erkrankung auf die wirtschaftliche Situation von Betroffenen – ist bei Krebs deutlich spürbar: Das Einkommen reduziert sich mit Eintritt in den Krankengeldbezug oder es entfällt, wenn keine Krankentaggeldversicherung besteht. Die Ausgaben steigen aufgrund krankheitsbedingter Kosten, die nicht von Versicherungen getragen werden. Zudem sinkt aus Sicht der Gläubiger die Kreditwürdigkeit bei reduziertem Einkommen.
Was wissen wir über Situationen von Krebsbetroffenen, die im Verlauf der Erkrankung mit Verschuldung konfrontiert sind? Welche Hilfen und Unterstützungsangebote gibt es? Wie sehen Betroffene ihre Chancen auf ein finanziell stabiles Leben nach einer Krebserkrankung?
Camille Zimmermann, Artias, Yverdon
Tristan Coste, HETSL, Lausanne
En Suisse, les dettes liées aux dépenses de santé constituent une problématique croissante qui se situe au croisement des politiques sociales, sanitaires et juridiques. Les primes d’assurance-maladie impayées et les frais médicaux représentent une part significative de l’endettement des ménages à bas revenu, créant un cercle vicieux où difficultés financières et dégradation de la santé s’alimentent mutuellement. D’un côté, le stress chronique lié au surendettement affecte directement le bien-être psychique et physique des personnes concernées. De l’autre, les contraintes budgétaires conduisent à des stratégies de renoncement aux soins et à des privations alimentaires dont les conséquences sanitaires à moyen et long terme sont préoccupantes.
Cet atelier participatif propose de croiser deux regards complémentaires sur cette problématique afin de mieux en saisir les dimensions scientifiques, juridiques et politiques, et d’identifier des pistes d’action.
Camille Zimmermann, juriste à l’Association romande et tessinoise des institutions d’action sociale (Artias) et responsable du secrétariat scientifique du groupe intercantonal réunissant les responsables romandes des politiques publiques de prévention et de lutte contre le surendettement, apportera un éclairage sur les évolutions du cadre légal suisse. Elle abordera notamment les modifications de la loi sur la poursuite pour dettes et la faillite ainsi que les enjeux liés à la loi sur l’assurance-maladie. Elle partagera également des constats et expériences issus des politiques cantonales romandes en matière de prévention et de lutte contre le surendettement.
Tristan Coste, chercheur à la Haute école de travail social et de la santé Lausanne (HETSL), exposera quelques résultats centraux de la recherche « Dettes et santé » menée de 2020 à 2025, dont il a assuré la coordination. Il discutera de quelques mécanismes par lesquels l’endettement affecte la santé, tant sur le plan de la santé mentale que des besoins de santé, notamment le renoncement aux soins et les privations alimentaires. Il présentera aussi les premiers résultats de la recherche en cours « Votre santé ou vos finances ? », qui explore le dilemme auquel font face les familles à revenu limité lorsqu’elles doivent faire des choix entre dépenses de santé et équilibre budgétaire.
Raoul Egeli, Präsident Schweizerischer Verband Creditreform
Dr. Christoph Mattes, Hochschule für Soziale Arbeit der FHNW, Olten
Unter welchen Rahmenbedingungen eine Verschuldung angemessen ist oder nicht, beschäftigt Gläubigerinnen und Schuldnerinnen gleichermassen. Beide Seiten wollen eigentlich Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit verhindern. Wie unterschiedlich sind dabei die Vorstellungen des Übergangs von Verschuldung hin zu Überschuldung? Und welche Rolle spielen dabei gesellschaftliche Vorstellungen zu Ver- und Überschuldung? In diesem Workshop wird vorgestellt, wie beide Seiten versuchen, Überschuldung zu verhindern. Es gilt die Frage zu klären: Können wir dazu voneinander lernen?
Prof. Dr. Tamara Madern, HU University of Applied Sciences, Uetrecht
Dr. Susanne Tonnen, HU University of Applied Sciences, Uetrecht
Andrea Schiedegger
Barbara Zobrist
Der Kanton Solothurn wurde von Gesundheitsförderung Schweiz als Pilotkanton ausgewählt, um für die Jahre 2025–2028 Massnahmen für Erwachsene zu entwickeln. Bisher wurden Gesundheitsförderungsmassnahmen vom Bund nur für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen finanziert. Zielgruppe des Pilotprogramms vom Kanton Solothurn sind armutsbetroffene Erwachsene, da ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Gesundheit bzw. Gesundheitskompetenz besteht:
Die Budget- und Schuldenberatung erreicht Menschen in schwierigen Lebenslagen und hat damit ein grosses Potenzial, sie bei der Stärkung ihrer psychischen Gesundheit und Gesundheitskompetenz zu unterstützen. Denn hohe oder problematische Schulden erhöhen das Risiko für psychische und körperliche Gesundheitsprobleme, insbesondere durch Stress und belastende Lebensbedingungen.
Der Beitrag richtet sich an Fachpersonen aus der Sozialberatung, Gesundheitsförderung und verwandten Arbeitsfeldern. Vorgestellt wird ein Pilotprogramm mit ausgewählten Handlungsansätzen an der Schnittstelle von Gesundheitsförderung sowie Budget- und Schuldenberatung. Zudem wird der Zusammenhang zwischen Überschuldung und Gesundheit aus der Perspektive der Budget- und Schuldenberatung beleuchtet.
Workshops
Dr. Clara Baumann
Dr. Sally Peters
Wie kann finanzielle Grundbildung Menschen in der Lebenslage Überschuldung dabei unterstützen, ihren Alltag zu bewältigen und Handlungsspielräume zurückzugewinnen? Welche Themen, Bedarfe und Bedürfnisse benennen überschuldete Erwachsene selbst und wie unterscheiden sich diese von fachlichen Annahmen von Schuldenberatungsstellen? Der Workshop gibt Einblicke in das laufende Forschungsprojekt FIBI-LA, das Perspektiven von Ratsuchenden der Schuldnerberatung sowie von Fachkräften zusammenführt. Im Fokus stehen Fragen nach passgenauen Inhalten, geeigneten didaktischen Zugängen sowie den Möglichkeiten und Grenzen finanzieller Bildung in einer vulnerablen Lebenslage. Neben der Vorstellung zentraler Ergebnisse bietet der Workshop Raum für Diskussion, Reflexion und Austausch. Ziel ist es, gemeinsam Impulse für Beratungspraxis, Bildungsarbeit und Forschung zu entwickeln.
Cristian Cardoso
Wie ausgeprägt ist das grundlegende Finanzwissen bei Fachpersonen der Sozialen Arbeit in der Deutschschweiz? Welche Faktoren beeinflussen dieses Wissen? Gibt es sozioökonomischen Unterschiede? Und weshalb ist das überhaupt wichtig für die Profession der Sozialen Arbeit? Diesen Fragen widmen wir uns diesem Workshop. Auch setzen wir uns – freiwillig und anonym – mit eigenen finanziellen Erfahrungen und Einstellungen auseinander, mit dem Ziel der Enttabuisierung von Geld.
Prof. Dr. Isabel Frese
Verschuldung und gesundheitliche Beeinträchtigungen stehen in einem engen wechselseitigen Zusammenhang. Finanzielle Belastungen können erhebliche Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit haben, während gesundheitliche Einschränkungen zugleich das Risiko von Einkommensverlusten und Überschuldung erhöhen. Der fachliche Diskurs der Sozialen Arbeit fokussiert bislang überwiegend auf die Bewältigung bereits eingetretener Problemlagen. Präventive Ansätze, insbesondere im schulischen Kontext, werden demgegenüber vergleichsweise selten systematisch in den Blick genommen.
Vor diesem Hintergrund rückt der Workshop das Schulfach Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH) in der Sekundarstufe I als bislang wenig beachtete Schnittstelle von Schuldenprävention und Gesundheitsförderung in den Fokus. Der WAH-Unterricht bietet einen institutionell verankerten Rahmen, in dem zentrale Kompetenzen vermittelt werden, die sowohl für die Prävention von Verschuldung als auch für die Förderung gesundheitlicher Ressourcen von hoher Relevanz sind.
Im Zentrum steht die Frage, inwiefern die im WAH-Unterricht vermittelten Inhalte und Kompetenzen im schulischen Alltag zur Stärkung finanzieller und gesundheitlicher Handlungskompetenzen von Jugendlichen beitragen können und wo zugleich strukturelle Grenzen schulischer Prävention sichtbar werden. Anhand ausgewählter Unterrichtssituationen wird aufgezeigt, welche präventiven Potenziale der WAH-Unterricht bietet, um Jugendliche frühzeitig für einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld, Konsum und Ressourcen zu sensibilisieren.
Jason Glanzmann
Mathieu Schnegg
Inkassounternehmen in der Schweiz sind dem Verhaltenskodex (CoC Inkasso) von Inkasso Suisse und dem darauf basierenden Selbstregulierungs-Framework verpflichtet. Dieser Kodex formuliert Grundsätze bezüglich Kommunikation, Gebühren, Umgang mit bestrittenen Forderungen, Vorgehen bei belegter Insolvenz und die generelle Vermeidung unnötiger Belastungen für Schuldnerinnen und Schuldner. Der Kodex soll sicherstellen, dass Inkassoprozesse nicht nur ökonomisch effizient, sondern auch sozialverträglich gestaltet werden. Die zentrale Frage lautet: Genügen die Vorgaben des Kodex (CoC Inkasso), um besonders verletzliche Menschen – etwa Schuldnerinnen und Schuldner im Krankheitsfall – tatsächlich zu schützen?
Zentrale Diskussionspunkte:
- Welche Wirkung entfaltet der Verhaltenskodex von Inkasso Suisse in der Praxis?
- Wie erleben Schuldner und Schuldnerinnen mit gesundheitlichen Problemen die Inkassoprozesse?
- Reicht der Kodex und das bestehende Selbstregulierungs-Framework oder muss dieses ergänzt werden?
- Welche Rolle spielen Sozialarbeit und Prävention, um Eskalationen zu vermeiden?
Matthias Weber
Geldspiel ist in der Schweiz weit verbreitet und kann für Spielende, ihre Angehörigen und das soziale Umfeld erhebliche Folgen haben. Häufig werden geldspielbezogene Probleme jedoch nicht zuerst in der Suchthilfe sichtbar, sondern in anderen Arbeitsfeldern – etwa der Sozial- oder Schuldenberatung oder Bewährungshilfe – und bleiben dort nicht selten ein übersehener Faktor komplexer Problemlagen.
Der Workshop richtet sich insbesondere an Fachkräfte ausserhalb der Suchthilfe, die mehr über Geldspiel und den professionellen Umgang mit entsprechenden Problemlagen erfahren möchten. Nach einer kurzen Einführung ins Thema werden zentrale Ergebnisse einer aktuellen Studie vorgestellt, die die Bedeutung von Geldspiel in Fachstellen ausserhalb der Suchthilfe sowie bestehende Handlungsansätze und Entwicklungsbedarfe untersucht hat.
Darauf aufbauend bietet der Workshop Raum für Austausch: Teilnehmende können eigene Praxiserfahrungen aus der Arbeit mit Spielenden und/oder Angehörigen einbringen. Gemeinsam werden – ausgehend von den Studienergebnissen und eingebrachten Praxiserfahrungen – konkrete Möglichkeiten für den professionellen Umgang mit geldspielbezogenen Problemlagen erarbeitet.
Selina Lehner
Im Workshop stehen Erfahrungen aus der Praxis im Zentrum. Gemeinsam diskutieren wir, wo und wie bestehende Angebote bereits zur Stärkung von Financial Well-Being beitragen, welche Ansätze sich bewährt haben und wo Herausforderungen liegen. Anhand konkreter Beispiele werden Erfolgsfaktoren sichtbar gemacht. Ziel ist es, voneinander zu lernen, wirksame Umsetzungsmöglichkeiten («Best Practices») zu identifizieren und Ideen für die Weiterentwicklung der eigenen Praxis mitzunehmen.
Stefanie Wyss
Überschuldung betrifft nicht nur die finanzielle Situation, sondern wirkt sich auch stark auf die Gesundheit, Partnerschaften und den Familienalltag aus. Eltern stehen häufig unter hoher emotionaler Belastung, die sich – oft unbemerkt – auf ihre Kinder auswirken kann. Besonders psychische Belastungen wie Erschöpfung oder depressive Verstimmungen beeinflussen die Beziehung zu den Kindern und das familiäre Miteinander.
Der Workshop geht der Frage nach, wie überschuldete Eltern ihren Alltag bewältigen, welche Auswirkungen die finanzielle und psychische Belastung auf Kinder hat und wie Eltern dabei unterstützt werden können. Grundlage bilden die Ergebnisse aus qualitativen Interviews mit betroffenen Eltern im Rahmen einer Masterarbeit. Diese zeigen, dass die Eltern zwar bemüht sind, finanzielle Einschränkungen von ihren Kindern fernzuhalten, die eigenen psychischen Belastungen jedoch selten thematisieren. Gerade diese spielen jedoch eine zentrale Rolle für das Wohl der Kinder.
NN, Schuldenprävention Stadt Zürich
Finanzielle Belastungen und gesundheitliche Probleme hängen eng zusammen: Schulden können Stress auslösen und die psychische und körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Gleichzeitig zählen Krankheit und Unfall in der Schweiz zu den häufigsten Ursachen von Überschuldung. Diese Wechselwirkung ist belegt und wird auch in der Praxis der Schulden-prävention sichtbar.
Für die Prävention und Gesundheitsförderung im Bereich Schulden stellt sich jedoch eine zentrale Frage: Wie kann das Thema Gesundheit konkret in die Arbeit integriert werden? Wie gelingt es, in Beratungen, Workshops, Schulungen oder Projekten rund um Geld und Budget auch gesundheitliche Aspekte mitzudenken – ohne die Zielgruppen zu überfordern oder zusätzliche Hürden zu schaffen? Und welche Ansätze haben sich in der Praxis bewährt?
Der Workshop ist ein praxisorientierter Austauschraum. Ziel ist es, gemeinsam eine Sammlung von Best-Practice-Beispielen zu erarbeiten, wie Fachpersonen Gesundheit in der Schuldenprävention und der Schuldenberatung berücksichtigen können. Dabei steht nicht die Theorie, sondern das konkrete Tun im Vordergrund: Was funktioniert gut? In welchem Setting? Mit welchen Zielgruppen? Und warum?
Julia Kern
Michael Lang
Verschuldung prägt progrediente Krankheitsverläufe massgeblich. Dies wird am Beispiel von ALS erkrankten Menschen deutlich. Ihr fortschreitender Krankheitsverlauf ist mit hohen Kosten und mit zunehmender Abhängigkeit von Leistungen der Krankenkasse, der Invalidenversicherung und der Alters- und Hinterlassenenversicherung verbunden. Bei episodenförmigen Krankheitsverläufen psychiatrischer Erkrankungen besteht die Herausforderung, dass zeitweise eine Teilhabe am Erwerbsleben möglich ist, in Akutphasen aber Einkommen ausbleibt. Beide Krankheitsverläufe sind dann besonders herausfordern, wenn Schulden vorhanden sind oder im Zusammenhang der Erkrankung entstehen. Welche unterschiedlichen Möglichkeiten gibt es, damit umzugehen?













